[15.09.2026] CVN-Newsletter August

Liebe Kolleg*innen und liebe Mitleser*innen, 

anbei der Überblick über das aktuell Infektionsgeschehen im August 2026 aus dem Clinical Virology Network. 

Aktuelles Infektionsgeschehen – August 2026 

Im August 2026 wurden dem Clinical Virology Network (CVN) insgesamt 38.992 Eingaben zu respiratorischen Erregern sowie 20.209 Eingaben zu gastrointestinalen Erregern übermittelt. 

Die aktuellen Daten zeigen ein für den Spätsommer breites Erregerspektrum. Respiratorisch stehen derzeit insbesondere Rhino- und Enteroviren im Vordergrund. Gleichzeitig werden bereits Influenza A und B nachgewiesen, während RSV aktuell kaum eine Rolle spielt. Bei den gastrointestinalen Erregern führen Noroviren die viralen Nachweise an. 

Was fällt diesen Monat auf? 

Rhino- und Enteroviren prägen aktuell das respiratorische Infektionsgeschehen. Gleichzeitig wurden bereits 40 Influenza-A- und 25 Influenza-B-Nachweise registriert – zu einem Zeitpunkt, an dem die klassische Influenzasaison noch nicht begonnen hat. 

Bei den respiratorischen Bakterien fallen neben Streptococcus pneumoniae insbesondere die zahlreichen Nachweise von Bordetella parapertussis auf. Bei den Gastroenteritis-Erregern stehen Noroviren an erster Stelle. Interessant ist hierbei der Blick auf internationale Daten: Auch dort zeigt sich für Noro- und Rotaviren eine für die Jahreszeit relevante Aktivität. 

Respiratorische Viren 

Rhino-/Enteroviren im Vordergrund 

Im August wurden 85 Rhinovirus-Nachweise gemeldet. Weitere 63 Nachweise entfielen auf kombinierte Rhinovirus-/Enterovirus-Tests, hinzu kamen 11 gesonderte Enterovirus-Nachweise. 

Auch Parainfluenzaviren waren regelmäßig vertreten. Insgesamt wurden 69 typisierte Nachweise registriert, am häufigsten Parainfluenza 3 (25) und Parainfluenza 2 (20). Weitere 12 Nachweise wurden nicht weiter differenziert. Adenoviren wurden 37-mal nachgewiesen. 

SARS-CoV-2 bleibt ebenfalls präsent und wurde im August 44-mal nachgewiesen. 

Bemerkenswert sind die bereits vorhandenen Influenza-Nachweise: Insgesamt wurden 40 Nachweise von Influenza A gemeldet, darunter jeweils ein als A(H3N2) bzw. A(H1N1) differenzierter Nachweis. Hinzu kamen 25 Nachweise von Influenza B. 

Demgegenüber spielt RSV aktuell praktisch keine Rolle. Im gesamten August wurde lediglich ein Nachweis registriert; hMPV wurde achtmal nachgewiesen. 

Blick über den Tellerrand 

Das im CVN beobachtete Erregerspektrum passt gut zum derzeitigen internationalen Bild. Die US-amerikanische NREVSS-Surveillance der CDC zeigt zum Ende des Sommers insbesondere eine deutliche Aktivität von Rhino-/Enteroviren. Auch SARS-CoV-2 nimmt dort über die Sommermonate wieder zu, während Influenza weiterhin auf niedrigem und RSV auf sehr niedrigem Niveau liegt. 

Auch die europäischen Surveillance-Daten zeigen bislang keine beginnende saisonale Influenza- oder RSV-Welle. Die bereits im August im CVN erfassten Influenza-A- und -B-Nachweise sind daher zwar bemerkenswert, stellen für sich genommen jedoch noch keinen Hinweis auf den Beginn der Influenzasaison dar. Neben einer niedrigen intersaisonalen Zirkulation können während der Sommer- und Ferienzeit auch reiseassoziierte Infektionen eine Rolle spielen. 

Respiratorische Bakterien 

Bei den respiratorischen Bakterien wurde Streptococcus pneumoniae mit 188 Nachweisen am häufigsten gemeldet. 

Auffällig sind zudem 120 Nachweise von Bordetella parapertussis gegenüber 21 Nachweisen von Bordetella pertussis. Bei entsprechender respiratorischer Symptomatik, insbesondere länger anhaltendem oder anfallsartigem Husten, sollten Bordetellen daher weiterhin differentialdiagnostisch berücksichtigt werden. 

Haemophilus influenzae wurde 47-mal nachgewiesen. Andere bakterielle Erreger waren deutlich seltener vertreten: Moraxella catarrhalis achtmal, Chlamydophila pneumoniae und Legionella spp. jeweils sechsmal sowie Mycoplasma pneumoniae viermal. 

Gastroenteritis-Erreger 

Noroviren auch im Sommer präsent 

Unter den viralen Gastroenteritis-Erregern wurden Noroviren mit 85 Nachweisen am häufigsten registriert. Es folgten Rotavirus A mit 38 und Adenoviren mit 29 Nachweisen. Sapoviren (11) und Astroviren (10) wurden seltener gemeldet. 

Bei den bakteriellen Erregern bzw. Toxinnachweisen standen Clostridium difficile Toxin A/B mit 47 Nachweisen sowie STEC mit 30 Nachweisen im Vordergrund. Salmonellen wurden 19-mal, Shigellen und Yersinia enterocolitica jeweils siebenmal sowie E. coli O157 viermal nachgewiesen. 

Auch parasitäre Gastroenteritis-Erreger waren vertreten: Cryptosporidien wurden 15-mal, Giardia lamblia viermal und Entamoeba histolytica einmal nachgewiesen. 

Blick über den Tellerrand 

Dass Noro- und Rotaviren auch im Spätsommer eine Rolle spielen, zeigt sich ebenfalls in der internationalen Surveillance. In England lagen die Norovirus-Labormeldungen in den Kalenderwochen 31–34 um 38,3 % über dem Durchschnitt der fünf Vergleichssaisons. Gleichzeitig gingen die Meldungen gegenüber den vier vorangegangenen Wochen um 10,9 % zurück. Bei Rotaviren zeigt sich ein ähnliches Bild: Die Labormeldungen lagen in KW 31–34 44,5 % über dem 5-Saisons-Durchschnitt, waren gegenüber den vorherigen vier Wochen jedoch um 24,4 % rückläufig. 

Auch die US-amerikanische NREVSS-Surveillance zeigt, dass Noro- und Rotaviren während der Sommermonate weiterhin nachgewiesen werden. Die 85 Norovirus- und 38 Rotavirus-Nachweise im CVN passen somit zu einer fortbestehenden intersaisonalen Aktivität dieser Erreger. Insbesondere die englischen Daten zeigen, dass die derzeitige Aktivität sogar oberhalb des für diese Jahreszeit erwarteten Niveaus liegen kann. 

Fazit und Ausblick 

Der August zeigt insgesamt noch ein spätsommerliches, intersaisonales Erregermuster. Respiratorisch stehen Rhino-/Enteroviren im Vordergrund, während RSV derzeit praktisch keine Rolle spielt. Influenza A und B werden allerdings bereits nachgewiesen und sollten daher auch außerhalb der klassischen Influenzasaison bei entsprechender Klinik berücksichtigt werden. 

Bei den gastrointestinalen Infektionen sind insbesondere Noroviren auch während der Sommermonate weiterhin präsent. Internationale Surveillance-Daten zeigen ebenfalls eine fortbestehende Noro- und Rotavirus-Aktivität. 

Mit dem Übergang in den Herbst wird nun besonders interessant, wann sich das respiratorische Erregerspektrum verändert: Bleiben Rhino-/Enteroviren zunächst bestimmend? Wann nimmt die Influenzaaktivität zu – und wann beginnt die RSV-Saison? Die kommenden CVN-Daten werden zeigen, wie sich die Saison 2026/27 entwickelt. 

Hinweis zur Einordnung: Die CVN-Daten stellen absolute Nachweiszahlen dar. Internationale Surveillance-Systeme verwenden teilweise andere Kennzahlen, beispielsweise Testpositivitäten oder Labormeldungen. Die Daten dienen daher der Einordnung saisonaler Trends und sind nicht unmittelbar quantitativ miteinander vergleichbar. 

Quellen zur internationalen Einordnung 

• CDC – National Respiratory and Enteric Virus Surveillance System (NREVSS), abgerufen September 2026 

• ECDC – European Respiratory Virus Surveillance Summary (ERVISS), Daten bis KW 35/2026 

• UKHSA – National norovirus and rotavirus surveillance, Saison 2026/27, Daten bis KW 34/2026 

Herzliche Grüße 

Christiane Prifert, Barbara Gärtner, Inga Tometten, Kerstin Knies und Rolf Kaiser